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Agile Methoden - Was ist das konkret?

Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben: Agile Methoden sind nicht einfach nur ein Hype, sondern machen bei bestimmten Projekten definitiv Sinn. Heute gibt es dazu ein konkretes Beispiel, damit das Ganze auch greifbar wird. Mein Beispielunternehmen heißt Tamtam GmbH und stellt Navigationsgeräte für den Automobilkonzern Bürgermobil AG her. Bürgermobil hat gerade ein neues Modell entwickelt und benötigt dafür ein Navigationsgerät. Das Auto richtet sich an eine junge, hippe und technikaffine Zielgruppe. Das Interieur soll daher sehr modern und schick sein, vor allem aber sollen viele technische Raffinessen die Kundschaft überzeugen. Auch das Navi soll deshalb technisch auf dem neuesten Stand sein und viele Funktionen bieten und es muss ein richtig fetziges Design haben.

Beim klassischen Projektmanagement würde jetzt die große Planung beginnen. Zunächst detaillierte Zieldefinition: Wie groß soll das Display sein? Welche Funktionen soll es bieten? Wie steuert der Nutzer die Funktionen? Welche Farben soll es geben? Ein konkreter Bau- und Umsetzungsplan wird entwickelt, Zeitpläne geschrieben, Meilensteine abgesteckt, Projektressourcen werden geplant und vieles mehr. Bevor man also den ersten wirklichen Schritt zur Herstellung macht, ist sehr viel Zeit in Planung und Dokumentation geflossen. Wenn alles gut geht, ist irgendwann das Navi fertig und... sieht im Auto auf einmal ganz anders aus, als die Bürgermobil AG sich das vorgestellt hatte. Oder – auch sehr lustig für die Tamtam GmbH – das Design des neuen Automodells wird noch einmal ein bisschen verändert, weil es noch nicht hipp genug war. Aber, aber… Änderungen? Wie jetzt? Die Ressourcen sind doch schon geplant und die Meilensteine?!

So arbeitet die Tamtam GmbH aber schon eine Weile nicht mehr. Sie hat Agile Methoden in ihren Ablauf integriert. Die nachfolgende Darstellung ist natürlich etwas vereinfacht, verdeutlicht aber den Unterschied zwischen klassischem und agilem Projektmanagement (PM).

Planung und Dokumentation – So viel wie nötig, so wenig wie möglich: Im Gegensatz zum klassischen PM wird bei agiler Vorgehensweise im Vorfeld des Projekts nicht jedes Detail geplant und festgeschrieben. Das Ziel wird so weit wie nötig erarbeitet und festgehalten. In meinem Beispiel würde die Tamtam GmbH als Ziel also zunächst einmal festlegen, dass sie ein technisch hochwertiges, stylisches Gerät für das neue Automodell entwickeln muss und einen Termin, zu dem es fertig sein muss. Details, wie Menüführung oder Farbe, werden erst später geplant und festgelegt. Nämlich dann, wenn es wirklich relevant ist.

Iterative und inkrementelle Entwicklung in Sprints: Iterative und inkrementelle Entwicklung heißt vereinfacht, dass man sich einem Ziel in mehreren Entwicklungsschritten nähert, wobei das Produkt schrittweise verfeinert wird. Das erkläre ich am besten an meinem Beispiel. Das Ziel ist also ein technisch hochwertiges, stylisches Navi. Irgendwie muss man ja anfangen, deshalb gibt der Produktverantwortliche dem Team zwei Wochen Zeit, das Design zu entwerfen. Die konkrete Anforderung für den ersten Sprint lautet also: Ich möchte eine visuelle Darstellung des künftigen Navigationsgerätes, die ich meinem Kunden zeigen kann. Das Team entwirft ein 3-D-Modell am PC.

Ist der Kunde mit dem Modell zufrieden, erfolgt im nächsten Sprint der nächste Entwicklungsschritt. Sollte der Kunde jedoch nicht zufrieden sein, besteht der nächste Sprint daraus, ein neues 3-D-Modell zu entwickeln. Jeder Sprint muss als Ergebnis also ein überprüfbares Produkt haben. Der Produktverantwortliche legt vor jedem Sprint fest, welche Eigenschaften und Funktionen hinzugefügt werden sollen. Erst nach Abnahme durch den Kunden erfolgt der nächste Entwicklungsschritt. Mit diesem Verfahren wird erreicht, dass der Kunde am Ende ein Produkt erhält, das er auch haben möchte.

Prototyping: Dieser Punkt steht natürlich eng im Zusammenhang mit dem vorherigen. Prototypen klingen im ersten Moment nach Mehrarbeit sowie Zeit- und Geldverschwendung. Prototypen haben jedoch entscheidende Vorteile: Häufig hat ein Kunde nur vage Vorstellungen vom Endprodukt. Erhält der Kunde jedoch ein physisches Modell, kann er sich ein viel besseres Bild vom Produkt machen und Feedback geben. Prototypen in frühen Projektphasen können also teure Fehlentwicklungen vermeiden und Änderungswünsche können mit weniger Aufwand umgesetzt werden. In unserem Beispiel könnte dies ein Modell sein, dass mit dem 3-D-Drucker erstellt wurde. Da die Bürgermobil AG sehr viel Wert auf die Optik des Geräts legt, ist ein Prototyp hier ideal, um das Design im Auto schon einmal mit dem Prototypen zu testen.

Daily Standup-Meeting: Darunter versteht man tägliche, kurze Meeting des Projektteams von maximal 15 Minuten. Jedes Teammitglied erzählt kurz, was es gestern getan hat, was es heute tun wird und welche Probleme es gibt. Keine Ausschweifungen, nur eine kurze Zusammenfassung. Das bringt Transparenz und Übersicht in den Sprint. Es sollen hierbei keine langwierigen Analysen zur Problemlösung erörtert werden. Deshalb wird die Zeit so knapp bemessen und die Meetings im Stehen abgehalten. Damit vermeidet man das berühmte „Sitzfleisch“.

Retrospektiven für ständige Verbesserung: Am Ende eines Projekts wird noch einmal zurückgeblickt: Haben wir die Ziele erreicht? Welche Probleme gab es? Was kann man in Zukunft besser machen? Damit soll eine Kultur der ständigen Verbesserung erreicht werden. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen bei misslungenen Projekten. Voraussetzung für das Gelingen sind eine ehrliche Kommunikation, Transparenz in den Projekten und die Wertschätzung der Kollegen untereinander.

Ich denke, die Methoden sind gar nicht so schwer zu verstehen. Oder Sie arbeiten schon längst so, nennen das Ganze aber ganz anders. Retrospektive kennt man zum Beispiel schon lange als "Lessons learned".  Aber agile Werte wie Transparenz, Ehrlichkeit, Vertrauen und Wertschätzung in Unternehmen sind häufig ein großes Problem. Warum diese Themen nicht unterschätzt werden sollten, berichte ich im nächsten Beitrag.

Ihre Sandra Boldt

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